Piani - Imperia - Historischer Reiseführer

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Piani

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Piani

So klein dieser, etwa 2 km von Porto Maurizio entfernte, Stadtteil auch ist, hat er doch noch die Verantwortung für drei weitere Dörfer, oder sagen wir, Ansiedlungen, nämlich Corradi, Carli und Aicardi. Aicardi lag unweit von der Küste, bei dem „torre Prarola“. Aicardi bestand eigentlich nur aus den Häusern der alt eingesessenen Familie Aicardi, die Piani auch den Dialektnamen „I Ciài“ gaben, und heute noch von den Alteingesessenen gerne benutzt wird.

Man erreicht Piani am besten, wenn man von Porto Maurizio aus in Richtung Autobahn-Zubringer „Imperia ovest“ fährt und am Kreisel der Beschilderung Richtung Dolcedo und „Val Prino“ folgt. Am nächsten Kreisel dann die dritte Ausfahrt, über die Brücke nach Piani, erkennt man auch schon die historische Kirche.


STORIA
Porto Maurizio entwickelte sich um die Jahrtausendwende immer mehr zu einer großen Handelsstadt und erhielt im 12. Jahrhundert dann den Namen einer freien Gemeinde und erhielt die volle Verantwortung für drei Gemeindebereiche. Als „Capitaneato di Porto Maurizio“ war man nun auch verantwortlich für

„Terziere di S. Maurizio“, was das Zentrum von Porto Maurizio, den Hafen- und das Küstengebiet, sowie die angrenzenden Ländereien beinhaltete
„Terziere di S. Giorgio“ war das Gebiet von Piani bis Torrazza
„Terziere di S. Tomaso” begann hinter Torrazza bis hinter Dolcedo.

Somit war Piani ab dem 12. Jahrhundert nicht mehr eigenständig sondern ein Teil von der großen Stadt Porto Maurizio, die im Jahre 1241 zum genuesischen Vikarsitz für die Ponente bestimmt wurde. Die Stadt mit ihren umliegenden Stadtteilen entwickelte sich zu einer wichtigen Produktions- und Handelsstadt, auch dank der florierenden Seefahrt am Mittelmeer, was auch Piani durch die Olivenölproduktion zwischenzeitlich zu besonderem Reichtum brachte.

Mit der Herrschaft von Napoleon endete 1797 die Republik Genua und auch Piani wurde Teil der ligurischen Republik. Porto Maurizio erhielt den Titel „Capoluogo della Giurisdizione degli ulivi“, was man mit „Hauptstadt der Gerichtsbarkeit der Olivenbäume“ übersetzen könnte.

Nach Napoleons Sturz wurde beim historischen „Wiener Kongress“ 1815 bestimmt, dass das Gebiet um Porto Maurizio sowie ganz Ligurien dem Piemont unterstehen sollte. Durch die Vereinigung Savoyens und Ligurien war Porto Maurizio nun Teil des Königreichs Sardinien-Piemont. 1818 wurde Oneglia zusammen mit San Remo und Nizza zur Provinzhauptstadt der „Divisione di Nizza“. 1860 kam Nizza an Frankreich und Porto Maurizio bis zum Jahre 1923 Provinzhauptstadt von Ligurien. 1861 unterstand Piani dann dem Königreich Italien unter der Herrschaft „Vittorio Emanuele II. di Savoia“. 1923, auf Geheiß von Mussolini wurden die beiden Städte Oneglia und Porto Maurizio mit ihren Stadtteilen zusammengeschlossen und erhielten den Namen Imperia.


Sanutario e chiesa parrocchiale della Madonna Assunta
Bereits im Jahre 1103 wird von einer alten Taufkirche in Piani berichtet. Sie war für das ganze Tal sowie das gesamte Territorium von Porto Maurizio zuständig.
Das Benediktinerkloster der Insel „Gallinara“, die vor der Küste Albengas liegt, entsandte um die Jahrtausendwende Mönche, die gemeinsam mit den Nonnen der Abtei Caramagna, als Lehenträger für die Gemeinde und das Tal die Verantwortung hatten. Im Jahre 1103 kamen dann noch die Mönche aus der Abtei Lerino hinzu.

Wie bereits beschrieben, erlangte im 12. Jahrhundert Porto Maurizio immer mehr an Bedeutung, so dass die Kirche in Piani nicht mehr das religiöse Zentrum des Gebietes war und verlor somit ihre Jurisdiktion und kam in den Besitz der Malteser.

Man erzählt sich, dass sich der Generalrat der „Comunitas“ von Porto Maurizio an Maria Himmelfahrt, also an einem 15. August sich hier in dem Gotteshaus versammelt hatten, um sich wegen der Befreiung und Loslösung von den Markgrafen von Clavesana zu beraten und Strategien auszuarbeiten. Noch heute ist der 15. August, auch aus politischen Gründen, hier ein großes Fest für die Kirche und Landbevölkerung.

Die Wallfahrtskirche „Santa Maria Assunta“ befindet sich auf einem Hügel über dem „Prino“. Im Mittelalter war das Hauptportal noch an der westlichen Seite des Gebäudes und der Altar sowie die Apsis im Osten, wo sich heute das Hauptportal befindet.

Der ursprüngliche Bau bestand aus drei Schiffen, die durch Steinsäulen getrennt waren, geschmückt durch eine hölzerne Kassettendecke sowie Fresken an den Seitenwänden. Das Jahrhundert der radikalen Veränderung lässt sich aus den, mir vorliegenden Unterlagen nicht genau bestimmen. In den Dokumenten der Diözese wird beschrieben, dass bereits Mitte des 16. Jahrhunderts radiakale Umbauten vorgenommen wurden, in der anderen Dokumentation heißt es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Fakt ist, dass Gemeindemitglieder hier sehr radikal vorgingen und einen Teil der Kirche niederrissen um sie größer zu gestalten. Jetzt auch nur mit einem einzigen Schiff und alles im Barockstil gehalten.
Die drei viereckigen Apsiden blieben erhalten, aber der Haupteingang wurden nach Osten ausgerichtet. Der Kirchenchor der alten Kirche wurde nun zur Fassade des neu konstruierten Innenraums und zeigt noch heute die Bauweise des 14. Jahrhunderts mit dem durchlaufenden Kranz von Hängebögen und einem Doppelfenster in der Mitte.

Am unteren Teil des Glockenturms kann man noch die unverputzten Steinmauern mit zwei Monophoren und einer Verzierung von Hängebögen erkennen. Die Konsole trägt noch das alte Malteserwappen.

Im Inneren der Kirche, an den Wänden der drei alten Apsiden, kann man die, aus dem 15. Jahrhundert stammenden Fresken bewundern. In liebevoller Kleinarbeit wurden diese Kunstwerke im vergangenen Jahrhundert mühevoll wieder freigelegt und restauriert. Sie sind, neben den Fresken von Montegrazie eine der besten Arbeiten des Malers „Tommaso Biasacci di Busca“. Eine Inschrift über der kleinen Tür, links vom Haupteingang besagt, dass dies seine letzte, 1488 vollendete Arbeit gewesen sein soll.
Diese Fresken sind, gerade wegen ihrer Ikonographie der mittelalterlichen Legenden und Allegorien, die auf ihnen dargestellt sind, von besonderem kunsthistorischen Wert.

In der Zentralapsis werden Szenen vom Tod der Allerheiligsten Jungfrau sowie dem Leben der Apostel dargestellt. Man sollte jedoch noch anmerken, dass dies sogenannte „Apokryphen“ sind, was bedeutet, dass es sich um eine freie Interpretation des Evangelium, was im Mittelalter sehr verbreitet und beliebt war.

Die untere Reihe der, noch erhaltenen Malereien sind siebzehn „Sibyllen“, rätselhafte und doppeldeutige Prophezeiungen, die aber größtenteils nicht mehr zu entziffern sind. Man kann teilweise noch entziffern, welcher „Sibille“ es entstammt wie zum Beispiel „Sibilla samia, Sibilla Europia, Sibilla Egipcia und Sibilla di Cumae“, was eigentlich auch die, seit dem Mittelalter bekannteste Darstellung von Prophezeiungen ist.

Links über den Sibyllen ein teilweise erhaltenes Gemälde, was das „Begräbnis der Jungfrau“ darstellt und auf der rechten Seite ein gut erhaltenes Wandgemälde „Die Rückkehr der Apostel“. Darüber noch zu erkennen „Der Gruß des Apostels Johannes an die entschlafene Jungfrau sowie die Ankunft der Apostel“.

Der Bereich, in dem sich heute, von einem schmiedeeisernen Gitter abgetrenntes, Taufbecken befindet, war wohl dem Heiligen Laurentius geweiht. Die hier vorhandenen Lünetten beschreiben drei Szenen das Martyrium von Laurentius, wie er geschlagen, mit eisernen Krallen gegeißelt und auf einem Rost malträtiert wurde. Unter diesen Gemälden noch die zwölf Apostel und der Darstellung der Heiligen Petrus und Paulus. Die Fresken stammen von „Tommaso da Busca“, datiert 1490.

In der Nische über dem Altar „Madonna del Rosario“ befindet sich eine Statue der Madonna, Holzschnitzerei des 15. Jahrhunderts. In einer der Kapellen das Gemälde „Die Empfängnis“ von „Francesco Bruno di Porto“, in der nächsten Kapelle „Der Schutzengel“ von „Imperiale Bottino“ sowie in der „Strafforello“ Kapelle das Gemälde „Taufe Christi“ von dem Künstler „Francesco Bruno di Porto“ und noch ein Kunstwerk von „Gregorio de Ferrari“ mit dem Titel „Addolorata“.


Wenn man das „alte“ Piani noch erleben möchte, sollte man das Fahrzeug stehen lassen und unterhalb der Kirche, am „Prino“ flussaufwärts den gut ausgebauten Wanderweg nehmen.
Nach etwa 250 m geht der Weg links hoch in die „Via degli Orti“. Am Ende des Weges sieht man schon gegenüberliegend die „Salita Centrale“.
Die verschachtelten „carruggi“ mit den hoch gebauten alten Häuser haben einen gewissen Charme. Man kann zum Beispiel über die „Via Archi“ bis zum Ende der „Via Principale“ schlendern und gelangt automatisch wieder zur Kirche.




 
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