STORIA - Imperia - Historischer Reiseführer

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

STORIA

KÜSTENSTÄDTE > SANREMO > Die Stadt Sanremo
Die Geschichte von SANREMO



Damit man sich nicht in den verschiedenen Schreibarten, die nachfolgend genutzt werden, verliert, hier eine kurze Erklärung. Die Stadt Sanremo hat viele Schreibweisen, die auch im Text zur Geschichte verwandt werden. Wenn also nachfolgende Bezeichnungen genutzt werden weiß man jetzt, es dreht sich einzig und allein um SANREMO.

Romuli, Sancti Romuli, San Romolo, San Remo, Sanremo aber auch Matucius, Matuciana, Matutiana

Über die Namensgebung von Sanremo gibt es viele Abhandlungen. Angeblich soll aus „Sancti Romuli“ dann „San Romolo“ und letztendlich „San Remo“ geworden sein, so zumindest Aufzeichnungen aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die dies bestätigen wollen. Fakt bleibt aber, dass es nie einen Heiligen Namens Remo gab. Man hat dann später aus „San Remo“ „Sanremo“ gemacht, wobei die Schreibweise bis heute nicht einheitlich ist.

Die Geschichte um Sanremo beginnt hier mit der Namensgebung. Archäologische Funde belegen, dass es zu Anfang des 2. Jahrhunderts eine erste römische Ansiedlung gab. Diese lag zwischen den heutigen Straßen „Via di Cappuccino“ bis zur „Via Francesco Corradi“. Sie lag auf einem schmalen Hügel mit Namen „Il Piano“. Dieser Bereich wurde dann seit der Römerzeit, durch die reichen Grundbesitzer und Kaufleute „Villa Matuciana“ oder auch „Matutiana“ genannt. Das Oberhaupt der Familie hieß „Matucius“, der großen Einfluss hatte, da ihm auch viele angrenzende Ländereien gehörten. Der Stammbaum dieser Familie reichte bis zu den Seealpen sowie am Meer entlang bis Nizza.

Im 5. Jahrhundert wurde „la zona matuziana“ immer wieder von „Visigoti“ und „Alarico“ Barbaren sowie den „Vandali di Genserico“ vom Meer her überfallen, die Siedler immer wieder Plünderungen ausgesetzt. Mit dem Fall des Weströmischen Reiches im Jahre 476 kam dieses Gebiet zunächst unter die Herrschaft der „Eruli di Odoacre“ und danach zu den Ostgoten „Teodorico“, bis es dann Ende des 5. Jahrhundert unter die Kontrolle der Byzantiner kam. Riviera di Ponente wurde nun in sechs Militärbereiche eingeteilt und die Dörfer befestigt. Zwischen den Jahren 569 bis 643 mussten die Bewohner immer wieder vor den massiven Offensivangriffen der „Longobardi di Rotari“ kapitulieren. Viele Städte entlang des Meeres erlitten hohe Verluste. Von 774 bis 888 übernahmen die Longobarden dieses Gebiet von „Karl dem Großen“.

Aber auch aus christlicher Sicht hatte sich ab dem 5. Jahrhundert einiges getan. Der Einfluss der Genueser Kirche zur Siedlung „Villa Matuciana“ bestand schon vor dem Ende des Weströmischen Reiches. Ende des 5. Jahrhunderts schickte der Bischof „Siro di Genova“ den Diakon „Siro“ in diese Region, um dem Pfarrer sowie Chorbischof von Villa Matuciana die katholische Segnung „beato ormisda della curia genovese“ zu geben. Zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert war es der Sanremese Theologe und spätere Genueser Bischof „Romolo“, der die Evangelisierung in dieser Gegend fest installierte.

Romolo kehrte nach einigen Jahren wieder in seine Geburtsstadt zurück. Doch als die Longobarden einfielen, flüchtete er ins Hinterland und entschied sich, seine letzten Jahre in einer Höhle, am Fuße des Berges „Monte Bignone“, zu leben, um in Meditation, Buße und Gebet zu verbringen. Dieser Ort wurde dann zur Pilgerstätte und verwandelte die Höhle zu einer kleinen Kapelle. „Vescovo Romolo“ wurde nach seinem Ableben zunächst gesegnet und dann Heilig gesprochen. Die sterblichen Überreste setzte man in der alten, ursprünglichen Kirche „Chiesa San Siro“ in der Krypta bei. Er wurde sodann als Beschützer und Mäzen der Bewohner „dei matuziani“ ausgerufen. Der Name des Heiligen stand somit im 10. Jahrhundert in direkter Verbindung zum Ortsnamen „Villa Matutiana“.

In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts begannen die massiven Überfälle arabischer Piraten, den Sarazenen. Sie verwüsteten jahrzehntelang den gesamten Küstenbereich, zahlreiche Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht, darunter auch „Villa Matutiana“, die aber nicht verzagten und sich nicht vertreiben ließen. Das gesamte Gebiet „Matuziano“ unterlag bis 950 der Zuständigkeit des Genueser Bischof „Sabatino Vescovo“. Nach der administrativen Reorganisation durch den König „Re Berengario II d’Italia“ wurde ein Teil der „Marca Aduinica“, in Zusammenarbeit des „Comitato di Ventimiglia“, dann zusammengeschlossen.

Im Jahre 962 gab es schon eine größere Ansiedlung, die der Genueser Kirche „Sancti Romuli“ und dem damit verbundenen Militärlager, dem Castrum angehörte. Mit den Jahren siedelten die Bewohner von „Villa Matutiana“ auf den dahinter liegenden Hügel, nicht zuletzt um mehr Schutz vor den Piratenangriffen zu haben. Es entstand eine richtige kleine, verwinkelte Stadt, die bis auf die Spitze des Hügels „Collina della Pigna“ reichte.

Graf „Guglialmo d’Arles“, der die Herrschaft über diese Provinz hatte, schloss mit den Feudalherren „Conti di Ventimiglia“ eine Allianz. So gelang es ihnen, in einer Reihe von Schlachten, die Sarazenen bis zum Jahre 980 erfolgreich zu vertreiben. Während dieser martialischen Zeit waren die Küstenbewohner gezwungen, ihr Hab und Gut zurück zu lassen und Zuflucht in den Hügeln und im Hinterland zu finden. So erging es auch den „matuziani“. Sie verließen die Häuser am „San Siro“ und bauten, im Bereich „Montana di Bevino“, wo es bereits einige Häusergruppen gab, ihr neues Heim.

Nach einem Jahrhundert der Verwüstung und Seuchen waren die Menschen im Jahre 980 wieder bereit, wirtschaftliche Aktivitäten wahrzunehmen. Unterstützt wurde die Bevölkerung von den ansässigen Mönchen und Bischöfe, die die Familien bei der Reorganisation und Pflege ihrer Ländereien unterstützten und sich auch der Jugendbildung annahmen. Sie begannen, eine neue Stadt, wie ein Tannenzapfengebilde, zu errichten. Die Häuser waren so verschachtelt, dass es wie eine undurchdringliche Festung wirken sollte.

Ab dem 10. Jahrhundert nannte man die Stadt dann, zu Ehren des Heiligen Romulus „Castrum Sancti Romuli“. Es wurde dann unter die Autorität der Conti di Ventimiglia gestellt, wobei aber die „Vescovi di Genua“ noch zahlreiche Grundstücke in Eigenbesitz und somit auch Mitspracherecht hatten.

Dokumente aus den Jahren 979 und 980 belegen, dass es für die Bevölkerung aufwärts ging. „Vescovo Teodolfo di Genova“ hatte 28 matuzianer Familien die Hälfte seiner Ländereien für landwirtschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt. Es wurde akribisch festgehalten, welche Steuern dafür abzugeben wären, wobei ein Großteil hiervon wieder an das Territorium von Matuziano gespendet wurde. Weiter ordnete der Bischof an, dass man dafür Sorge zu tragen hätte, vorhandene Kirchengüter zu schützen, pflegen und gegebenenfalls auch zu verteidigen. Man hatte auch feierlichen Tribut zu zahlen, wenn er zum Pastoralbesuch nach „Castum Sancti Romuli“ käme. Hierfür wurden von ihm Familien ausgewählt, wie „Premartini“, „Paolenghi“ und auch „Riculfenghi“, die im Gegenzug dann vom „Zehnten“ befreit wurden.

Im Jahre 1095 verkündete „Corrado III – Conte di Ventimiglia“ dass er auf alle Rechte des Gebietes von Castum Sancti Romuli verzichten und an den Bischof übertragen würde. Doch versuchte Genua im Jahre 1130 das gesamte Gebiet zu erobern. Genuesische Truppen besetzten das „Castello“ und zwangen die Bewohner treue zu schwören, was Genua auch von dem Conte di Ventimiglia abverlangte.
Während des langen Krieges von 1140 bis 1262 zwischen Genua und Ventimiglia kämpften die Männer von „Castello di San Romolo“, wie Sanremo zu diesem Zeitpunkt hieß, immer an der Seite von genuesischen Truppen, gegen Ventimiglia. Mit dem „Aix-Vertrag“ wurde dann 1262 wurde dann die politische und wirtschaftliche Lage zwischen Genua und Ventimiglia geregelt und der Krieg war beendet.

In der Zwischenzeit hatte der Erzbischof „Siro di Genova“ den Titel „Dominus et Comes“ – „Signore e Conte“ erhalten und 1143 die absolute geistliche und weltliche Macht, sowie alle damit verbundenen Rechte, seine Gebiete selbst zu verwalten, was dann in „Castum Sancti Romuli“ durch die Herrschaften „Visconti“, „Gastaldi“ und „Conti“ geschah.

Das Dorf hatte sich im 12. Jahrhundert zu einer aktiven Stadt entwickelt, der Wohlstand hatte Einzug gehalten. Man suchte nach neuen modernen Grundlagen der wirtschaftlichen Organisation, der Verwaltung und Politik. Der erste Schritt zur Selbständigkeit belegte die Gründung des Vereins „Compagna“, der sich politisch und wirtschaftlich organisieren sollte. Es waren Männer im Alter zwischen 17 und 70 Jahren, die direkt vom Erzbischof ernannt wurden. Sie bildeten ein örtliches Parlament mit Beisitzern, die für 5 Jahre mit der Justizverwaltung sowie einer Armeeführung im Kriegsfall betraut wurden. Die Stadt bekam einen Bürgermeister und, mit der offiziellen Regierungsvereinbarung von Genua, am 16.Oktober 1199 die Bestätigung, dass man die „Compagna“ anerkannt wäre und man die Kontrolle über politische und wirtschaftliche Angelegenheiten hätte. Einzige Bedingung war, dass die Vertreter der „Compagna“ alle 5 Jahre neu zu wählen waren. Aber selbst dieser Zustand konnte nicht verhindern, dass es während des 12. Jahrhunderts große Meinungsverschiedenheiten, bis hin zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der Fraktion des Erzbischofs und den Anhängern der Genueser Fraktion, gab.

Erzbischof „Ottone“ war im Jahr 1223 gezwungen, den Rebellen von „Catum Sancti Romuli“ bischöfliche Autorität zu erklären, was aber nach 2 Jahren, am 6. Mai 1225, dann, durch die Unterzeichnung einer Vereinbarung, wieder revidiert wurde. In den folgenden Jahrzehnten machte sich tiefe Unzufriedenheit der Bevölkerung breit. Die Steuerpolitik und die Verwaltung wurden inzwischen vom Bürgermeister „Podestà Lanfranco Usodimare“, den der Bischof 1251 selbst ernannte, selbst gesteuert. Dieser hatte nun das Privileg, selbst Recht zu sprechen und eigenständig Bußgelder anzuordnen. Die steigende Aggressivität der Bewohner, wegen ständigen Streitigkeiten um Landbesitz, veranlasste den amtierenden Erzbischof von Genua „Jacopo da Varagine“ Vermögenswerte, wie die „Castelli di Sanremo“ und auch von „Ceriana“ am 8. Januar 1297 an die Feudalherren „Oberto Doria“ sowie „Giorgio de Mari“ zu verkaufen.

Die beiden Genueser Gutsbesitzer nahmen dann offiziell zum 2. Februar 1297 ihre neue Position in der Stadt ein und verpflichteten die Bewohner, absolute Treue zu schwören, die Hälfte ihrer landwirtschaftlichen Güter sowie den Ertrag aus Fischfang abzugeben und noch zusätzlich den Zehnten zu leisten. Des Weiteren behielten die „Signori“ auch das Recht, Herren für die Ämter des Bürgermeisters, Notars, Vikar etc. selbst zu bestimmen und die Ortssatzung zu modifizieren, die dann 1298 und 1303 entsprechend abgeändert und ergänzt wurden.

Nach dem Tod von Oberto Doria und Giorgio de Mari herrschte unter den Nachfolgern Rivalität, was 1307 zu einer Teilung des Gebietes führte. Im Oktober 1319, als „Accellino Doria“, der amtierende „Signore di Sanremo“ dringend zu seinem Cousin „Morruele Doria“ nach Dolceacqua gerufen wurde, formierte sich eine Revolte. Die „Guelfi sanremesi“ vereinbarten mit dem Stadtverwalter „Giovanni Mansella“, aber auch Vertreter des Königs von Anjou „Re Roberto d’Angio“, dass die Stadt unter die Herrschaft des Königs gestellt werden solle, was auch gelang.

Während der etwa 10jährigen Herrschaft der „Dominazione angioina“ wurden die Stadtmauern erweitert, neue Häuser errichtet und 1321 der Hafen von „Santo Stefano“ gebaut. Im Jahre 1330 griff „Aitono Doria“, mit einer Flotte von 15 Galeeren und verschiedenen kleineren Schiffen, die Stadt an. Es war eine grausame und blutige Schlacht.

Inzwischen herrschte Frieden zwischen den päpstlichen Guelfen und den kaiserlichen Ghibellinen und man unterzeichnete am 9. Februar 1331 einen Vertrag, der auch die Rückgabe von Castello di San Romolo an das Haus Doria beinhaltete. Die Brüder „Cassano e Accellino Doria“ erhielten den Zuspruch. Diese hatten jedoch, zusammen mit anderen Verwandten die Rechte des Gebietes „Matuzia“ an die Republik Genua abgetreten. Sie verkauften zunächst, zwischen 1350 und 1360, einen beträchtlichen Anteil ihres Besitztums und erhielten dafür 25.300 Genueser Lira. Die Bevölkerung war erleichtert, von diesen Feudalherren befreit zu sein. So zahlten sie etwa die Hälfte des geforderten Betrages und Genua übernahm die Vorlage für die 2. Hälfte. Jedoch mussten sich die Bewohner verpflichten, einen jährlichen Betrag von 150 Lire an Genua zurückzuzahlen.

Die Befreiung von der feudalen Herrschaft wurde mit einem feierlichen Akt am 15. März 1361 in der Kirche „Cattedrale di San Lorenzo“ gefeiert. Diese neu gewonnene Freiheit wurde ab sofort jedes Jahr und zur gleichen Zeit, bis 1824 als „festa delle catene“ gefeiert.

Im Mittelalter hatte die „Comunità Matuziana“ eine beachtliche Ansammlung von Vorschriften und Gesetzen, um die Ordnung zwischen der Gemeinde und den Bewohnern sowie Fremde zu erhalten. Die Gesetze wurden im Jahre 1435 modifiziert und im Auftrag der „Repubblica di Genova“ 1565 einer weiteren Prüfung unterzogen und verfeinert.

Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Sanremo von der Pest befallen, die so viele Opfer forderte, dass im Jahre 1502 insgesamt drei Gesundheitswachen, nur für die Bewachung der „porte del Palazzo“ sowie „Piano e Manara“ eingesetzt wurden. Trotz der Hilfe eines selbstlosen genueser Arztes war diese Seuche „terribile flagello“ nicht ausgemerzt. So beschloss man jetzt Gottes Hilfe in Anspruch zu nehmen. Man ließ in der „Pigna“ die „Capella San Sebastiano“ am Piazza die Dolori errichten. Die Pest wütete noch bis etwa 1581, wobei man sagt, dass ab den 1570er Jahren Sanremo so gut wie nicht mehr betroffen war. Aber das 16. Jahrhundert stand auch für Zerstörung, Plünderung und Entführung. Die ersten Piraten erschienen 1508. Es waren die „pirata turco Kurtogali“, die nicht nur Massaker anrichteten sondern auch viele Menschen entführten und als Sklaven verkauften. Dies hielt bis zur Seeschlacht von Sepanto im Jahre 1571 an.
Einer der übelsten Sorte war „Khizir“ oder auch „Khair ad-Din Barbarossa“ genannt. Er war osmanischer Korsar, der im Mittelmeer sein Unwesen trieb. Erst „Andrea Doria“ konnte 1526 diese Angriffe zerschlagen, wobei Doria 1538 in der Seeschlacht von Preveza dann vor der griechischen Küste von ihm wieder besiegt wurde. Als Großadmiral und „Bey di Tunisi“ tauchte er wieder an der ligurischen Küste auf und unternahm gewaltsame Plünderungen.

Der Papst reiste eigens nach Sanremo an, um zu intervenieren, diese sinnlosen Überfälle einzustellen. Papst Paul III war 1538 zu Gast bei der sanremesi Familie „Manara“. Doch bereits ein Jahr später übernahm der Korsar „Turgut Reis“, besser bekannt unter dem Namen „Dragut“, die Seeräuber-Geschäfte im gesamten Mittelmeer. Dragut hatte sich Barbarossa angeschlossen und war innerhalb kürzester Zeit zum Befehlshaber über 12 Galeeren geworden. Dragut war so gefürchtet, dass Kaiser Karl V. den Admiral „Andrea Doria“ beauftragte, Dragut zu vernichten. Vor Korsika konnte er überwältigt und gefangen genommen werden. Er kam in Gefangenschaft und diente als Sklave der Genueser Flotte. Doch sein Gönner Barbarossa hatte nach 4 Jahren Genua davon überzeugt, Dragut freizulassen. Das Angebot eines hohen Lösegeldes sowie die Androhung, Genua sonst zu vernichten, waren Argument genug, ihn freizulassen. Somit war Dragut wieder als Seeräuber unterwegs und wurde sogar, nach dem Tod von Barbarossa, von Sultan Süleyman, 1546 zum Admiral aller osmanischen Seestreitkräfte ernannt worden.

Aber wieder zurück zu Sanremo. Wir schreiben das Jahr 1543. Während der Belagerung von Nizza, Anfang August 1543, durch osmanische und französische Flotten, legten auch in der Nacht vom 6. auf den 7. August neun algerische Galeeren am Strand von Sanremo an und griffen die Stadt an. Der amtierende Bürgermeister von „Matuziano“, Luca Spinola, hatte Beobachter entsandt, um die türkische Flotte zu überwachen und ordnete zugleich an, die Stadtmauer zu besetzen. Die blutige Schlacht dauerte etwa 8 Stunden, doch man war in der Lage, die Stadt erfolgreich zu sichern. Daraufhin versuchten sie, durch ein Täuschungsmanöver vom „Valle di Verezzo“ aus einen Angriff zu starten. Dabei plünderten sie die umliegenden Dörfer und verschleppten Frauen und Kinder. Unter dem Kommando des Bürgermeisters Spinola stellten sich die sanremesi etwa 4 Kilometer entfernt, im Bereich „Poggio Radino“ bei San Donato auf, um einen weiteren Angriff zu stoppen. Die matuzianer Bürgerwehr konnte die Piraten bei Verezzo in die Flucht schlagen, die Stadt war gerettet.

Im darauf folgenden Jahr 1544, ein neuer Bürgermeister war im Amt „Sebastiano Artusio“, wurden neue zusätzliche Waffen aus Genua geordert, man verstärkte die Überwachung auf dem Meer und beobachtete alle Aktionen der türkischen Flotte. Ende Mai 1544 landete eine Gruppe am Strand. Die Stadtmauer war gesichert, doch die „Chiesa di San Siro“, sowie einige Nachbarhäuser, die außerhalb lagen, fielen den Piraten zum Opfer und wurden geplündert.
Dragut war 1546 wieder an der Küste und griff mehrere Küstenstädte an. Der, für das Jahr 1547 wiedergewählte Bürgermeister „Luca Spinola“ optimierte die Verteidigung und ließ 11 der insgesamt 15 Stadttore schließen und errichtete 1550, zur weiteren Verteidigung, die „Bastione della Ciapella“, deren Überreste noch heute an der „Via Martiri della Libertà“ zu sehen sind. Somit konnten in den folgenden Jahren viele Überfälle vermieden werden.
Im Jahre 1594 wurde das naheliegende Dorf „Coldirodi“ angegriffen und 70 Einwohner entführt, die nur durch eine Zahlung von 8000 Lire wieder ausgelöst werden konnten. Man beschloss, einen weiteren quadratischen Wehrturm zu bauen, der dann 1597 zum Einsatz kam.

Das 16. Jahrhundert war überschattet durch Aktionen wie Gegenreformation und Inquisition. Viele Frauen wurden, aus welchen banalen Gründen auch immer, der Hexerei bezichtigt und im Namen des Glaubens gefoltert, eingesperrt oder auch umgebracht. Aber auch mancher, nicht erwünschter Mann musste sich diesem Vorwurf hingeben. Am 24. Februar 1582 wurde der, in Sanremo lebende, britische Bürger „Guglielmo Horn“ der Ketzerei verdächtigt und eingesperrt. Zwei Jahre später, am 20. Oktober 1584 wurde in Sanremo zwei Geschäftsleuten der Prozess gemacht. „Giovanni Rodi di Montaldo“ und „Enrico Brizio di Badalucco“ wurden der Hexerei angeklagt, wobei aber nur „Giovanni Rodi“ als Zauberer, Ketzer und Gotteslästerer vor Gericht gebracht und brutal gefoltert wurde. Über das weitere Schicksal der beiden Männer ist nichts bekannt.

Bereits Mitte des 15. Jahrhunderts, 1447, hatte man durch übereifrige Priester versucht, unschuldige der Hexerei zu überführen. So erging es auch 8 Frauen aus Sanremo, die der Hexerei und Ketzerei bezichtigt wurden aber in Genua, wo ihnen der Prozess gemacht wurde, freisprach. Man hatte die Verleumdung des Priesters „Antonio Guigliero“ erkannt, ihn suspendiert und in ein Kloster verbannt.
Sanremo entwickelte sich im Laufe des 16. Jahrhunderts zu einem wirtschaftlich angesehenen kleinen Zentrum. Anbau und Handel von Zitrusfrüchten sowie exotischen Palmen aber auch der gut ausgebaute Hafen waren inzwischen zu einem wichtigen Handelstreffpunkt geworden und es förderte den Reichtum der Bevölkerung.

Der Krieg zwischen dem Herzogtum Savoyen und der Republik Genua, der 1625 ausgebrochen war, verschonte die Stadt. Man hatte sich dem „Prinicpe Vittorio Amedeo di Piemonte“ unterworfen, so dass die piemontesischen Truppen die Stadt von Gewalt und Vergeltungsmaßnahmen verschonten und stattdessen Ventimiglia und weitere Dörfer im Hinterland angriffen. Es folgte ein Waffenstillstand mit darauffolgendem zweitem Krieg zwischen Savoyen und Genua, der dann mit einem Friedenspakt 1673 endete. Ergebnis dieser langen Kriegsphase war, dass sowohl politisch als auch militärisch für Westligurien alles unverändert blieb.

Seit dem Jahre 1634 hatten die Händler ein neues Verkaufsumfeld. Man hatte in Sanremo einen Wochenmarkt ins Leben gerufen, der von Anfang an stark frequentiert war. Als jedoch die Republik Genua entschieden hatte, ab sofort besondere und hohe Zölle beziehungswiese Steuern einzufordern, rebellierte die Bevölkerung. Der zuständige Verantwortliche „Commissario Alessandro Sauli“ wurde vom Volk aufgefordert, hier zu intervenieren. Doch Genua reagierte mit der Verhaftung von 19 sanremesi, konfiszierte ihr Vermögen und ließ das Haus der Familie „Boeri“ abreißen. Weitere Bürger mussten schwere Strafzölle zahlen um einer Haftstrafe zu entgehen und 2 Menschen wurden sogar zum Tode verurteilt und am 27. Juli 1634 umgebracht.

1648 war auch „Matuziano“ von Hungersnot und der Ausbreitung immer wiederkehrender schwerer Krankheiten betroffen. Aber auch die Pflanzenwelt wurde von Schädlingen befallen, so dass große Ernten ausfielen und man versuchte mit Gebeten dem Ganzen wieder Herr zu werden. In dieser schlimmen Zeit überzeugte das Stadtparlament in einer öffentlichen Sitzung am 18. April 1649 die Bewohner, den Schutzpatron der Jesuiten „San Francesco Saverio“ für die Stadt zu ernennen. Man beschloss, dass ab sofort der 3. Dezember „festa di San Francesco Saverio“ ein hoher Feiertag für die Stadt werden sollte. Wer sich nicht daran hielte würde mit einer Strafe von 4 Lire belegt werden.

Im August 1678 wurde Sanremo durch zwei schwere Kanonenschüsse der französischen Flotte beschädigt. Es waren Einschüchterungshandlungen von König „Ludwig XIV", die sich gegen Genua aber auch Spanien richteten. Doch auch Sanremo war im Streit mit Genua. Die Schikanen wegen der zu hohen Steuern, auf die Genua bestand, belasteten die lokale Wirtschaft enorm.

Die genuesische Regierung war auch sehr besorgt über die Aktionen des sanremese „Tommaso Sardi“, der aus einer alteingesessenen Familie der Oberschicht abstammte. Er behauptete überzeugend, dass Sanremo die Anerkennung hätte, eine, vom Kaiserreich unabhängige Stadt zu sein. Diese Aussage führte immer wieder zu politischen Streitigkeiten, bis dann im Jahre 1722 diese Aussage durch die Annullierung von Kaiser Karl VI zunichte gemacht wurde. Ein weiterer Aufstand der Bewohner folgte im Jahre 1729. Aus Protest wegen des weiteren Anstiegs der Steuern auf Tabakwaren, fürchtete man, dass hier in dieser, wirtschaftlich wichtigen Stadt, noch Unruhen ausbrechen könnten. Die Regierung schickte, unter dem Kommando von „Ansaldo Grimaldi“ insgesamt 600 Soldaten, um wieder Ruhe einkehren zu lassen. Die aufgebrachten „Matuziana“ mussten auch hier kapitulieren und die Steuern zahlen.

Ende September bis Anfang Oktober 1745 wurde die Stadt von einer englischen Flotte, unter dem Kommando des Admirals „Rodney“ bombardiert. Eine militärische Operation, infolge des Österreichischen Erbfolgekrieges, wo dann auch im Jahre 1748 Sanremo gezwungen wurden, fast 200.000 Lira Kriegskosten zu übernehmen.

1749 gab der Genueser „Commissario Gio Batta Raggio“ bekannt, dass “Coldirodi” von der Stadt getrennt werde, was dann am 1. Februar 1753 durch die Regierung bestätigt wurde. Die Bewohner waren so aufgebracht, dass die Genueser Regierung einen Kartographen „Matteo Vinzoni“ beauftragen musste, um die neuen Grenzen zwischen den beiden Gemeinden auch bildhaft zu setzen.

Die teuerste Landkarte des 18. Jahrhunderts:
Insgesamt 230.000 Genueser Lira, 4 Tote, bis zu 1.000 Menschen bis zu 10 Jahre Gefängnis


Landkarte von Sanremo – 1753 von Matteo Vinzoni

Am 06. Juni 1753 bat Vinzoni, in einer sanremeser Parlamentssitzung um Bereitstellung von zwei Gehilfen. Doch die Bewohner waren so erbost über die Vermessung ihres Landes, dass sie kurzerhand die Sitzung stürmten, die beisitzenden Soldaten entwaffneten und Vinzoni einsperrten. Der Vorsitzende „Doria“ versuchte noch die wütende Menge zu beruhigen. Am nächsten Tag versammelten sich die Bürger in der Kirche „Chiesa di San Germano“ und beschlossen, eine Petition an den König von Sardinien zu richten und um Schutz zu bitten. Sie wollten ihn auffordern, einige Delegierte der Gemeinde sofort abzuziehen.
Die Stadt rüstete vorsorglich auf, ernannte einen „Magistrato di guerra“, rekrutierten Männer, besorgten Waffen und verstärkten die Abwehrtruppe. Am Morgen des 13. Juni landeten bereits 3 Galeeren sowie mehrere kleine Schiffe mit insgesamt 1000 Soldaten, die unter dem Kommando des „Generale Agostini Pinelli“ den Aufstand der Sanremesi niederschlagen sollten.
Nachdem der „Commissario Doria“ nicht zur Aufgabe bereit war, bombardierten die gesamten Schiffe die Stadt bis zum Morgengrauen am 14. Juni 1753, wobei sie auch an einer Stelle an Land gingen und das Kloster „Convento dei Nicoliti“ ohne Gewalt eingenommen hatten. Mit Hilfe der Jesuiten „padre Balbi e Curlo“ versuchte General „Pinelli“ mit den Aufständigen eine Vereinbarung zu erzielen. Sie sollten ihre Waffen niederlegen und aufgeben, anderenfalls würde man kämpfen, bis zur Vernichtung aller Bewohner. Man ergab sich, Pinelli konnte die Stadt, ohne einen Schuss abfeuern zu müssen, zur Vernunft bringen und ordnete die Verhaftung aller, am Aufstand beteiligten Personen.
Bereits am 16. Juni 1753 wurden, auf Befehl der Genueser Regierung, insgesamt 80 Stadträte von Sanremo eingesperrt und auferlegt, eine sofortige Strafe von 50.000 Lire und innerhalb der nächsten zwei Tage noch eine weitere Zahlung von 50.000 Lire zu leisten. Man hatte die Gesamtsumme bis zum 19. Juni gesammelt, aber Pinelli ordnete nun auf einmal an, dass er weitere 100.000 Lire haben wolle und erweitere diesen Betrag dann nochmals um 30.000 Lire, als kleine „Aufmerksamkeit“ für seine Truppe.

Es folgten noch Beschlagnahmungen von Eigentum, Entführungen und Verhaftungen. Die Stadt wurde vollständig beraubt. 2000 der insgesamt 8000 Einwohner von Sanremo mussten flüchten. Die Stadt verlor ihren Status, die Satzung wurde außer Kraft gesetzt und die Glocke der Kathedrale „San Siro“ wurde entfernt. Die vielen verhafteten Menschen erhielten eine Schnellverurteilung, das heißt, vier zum Tode durch den Strang, Berater kamen ins Exil und andere erhielten bis zu 10 Jahre Gefängnis. Die europäischen Diplomaten waren besorgt über die unverhältnismäßige Bestrafung und intervenierten, so dass die verurteilten sanremesi bereits am 4. September 1753 Generalamnesie durch die Genueser Regierung erhielten. Lediglich 14 Rädelsführer mussten sich ihrer Verantwortung stellen.
In der Zwischenzeit hatte der Stadtsprecher von Sanremo „Gio Batta Sardi“ am kaiserlichen Hof in Wien angefragt, ob man ihm eine offizielle Vollmacht für die weitere Wirkung, als Bürger von Sanremo, ausstellen würde. Die geflüchteten sanremesi, die in „Perinaldo“ Zuflucht gefunden hatten, informierten den neuen Kommandanten „Francesco Maria Sauli“ über die lange Reihe von Verhaftungen des Klerus. Noch bevor „Sauli“ nach Genua zurückkehrte, genehmigte er noch den Bau einer Festung am Meer, in der Nähe von „Pian di Nave“. Zwischen 1755 und 1756 wurde die Festung „Forte Santa Telca“ erbaut und mit insgesamt 90 bewaffneten Soldaten bestückt, um das Gebiet vom Meer zur Stadt abzusichern.
Noch heute stehen zumindest die Außenmauern der Festung. Das Gebäude befindet sich direkt am Jachthafen von Sanremo am „Corso Nazario Sauro“ Ecke „Molo Sud“. Dank einer außerordentlichen Renovierung wird das Gebäude heute für Ausstellungen und Events genutzt.

Doch zurück zum Jahre 1756. Dank der Fürsprache der Österreichischen Kaiserin „Maria Theresia“ wurden jetzt Zugeständnisse vereinbart, die Verbannten durften nach Sanremo zurück und das gesamte eingezogene Vermögen, die Archive und Dokumente sowie die Glocke der „Chiesa San Siro“ kamen wieder zurück nach Sanremo. Die Statuten der Stadt wurden reaktiviert und von der jährlichen Schuldzahlung über 30.000 Lire befreit. Man kann sich vorstellen, dass Genua nicht gerade begeistert war und hielt sich, nur teilweise, an die Vorgaben. So hatten beispielsweise die Menschen, die nach „Perinaldo“ in Exil gehen mussten, noch immer viele Schwierigkeiten und wurden, durch Genua, mit ständigen Vorwürfen gestraft. Einziges positives Ergebnis dieser Revolution von 1753 war, dass mit der Unterstützung des „Commissario Carrega“, der Hafen wieder aufgebaut wurde. Die Arbeiten dauerten von 1782 bis 1786 an.

Das Gebiet von Westligurien sollte nicht zur Ruhe kommen. Es gab wieder eine Reihe von blutigen Kämpfen zwischen den Franzosen und den „Austro-Sardi“ sowohl an den Seealpen als auch am 20. Oktober 1793 in Oneglia, als die französische Flotte dort anlegte, angriff und plünderte. Unter dem Vorwand, eine gefährliche Gruppe von Piraten zu zerstören „Pirati Tigri di Oneglia“ überquerten am 6. April 1794 die 20.000 Mann starke französische Armee, unter der Führung von „Generale Masséna“ die Grenze von Ventimiglia, durchquerte Piemont und drang in venezianisches Gebiet vor. Die Artillerie wurde von einem jungen Offizier angeführt „Napoleone Bonaparte“, der seinen Freund und „Commissario del popolo“, „Filippo Buonarroti“ an seiner Seite wusste. Er hatte die Funktion als Revolutionär des Mitstreiters „Agostino Robespierre“ übernommen.
Oneglia wurde besetzt, genauso wie Loano. „Fortezza di Saorgio“ im Valle Roja kapitulierte und der Pass „Colle di Tenda“ war unter Kontrolle von Napoleon.

Am 7. September 1794, Napoleon hatte gerade den Hafen von Vado bei Savona besetzt, bekam Sanremo hohen Besuch. Napoleon Bonaparte und Masséna machten hier Halt und nächtigten im Hause der Familie „Sapia“.

Während der französischen Besetzung von April 1794 bis April 1796 wurde auch Westligurien nicht verschont. Plünderungen, Vergewaltigungen, Gewalt und eine Reihe von Schikanen hatten die Bewohner zu erleiden. Die Revolutionäre verschonten Sanremo und unterstützten das Vorhaben, die beiden sanremesi „Giancarlo Serra“ sowie „Gaspare Sauli“ aus dem Genueser Gefängnis zu bekommen. In der „Matuziana“-Stadt war die Stimmung geteilt. Die Einen fürchteten die Revolutionäre, die Anderen hatten Angst vor dem verhassten Genua.

Es hatte sich aber, aufgrund der Revolution, noch nichts geändert, im Gegenteil. Es gab noch immer große Armut, Hunger und Epidemien, man stellte immer höhere Anforderungen an die Bewohner wie zum Beispiel größere Heu-Abgaben und die Vermarktung von gewerblichen Gütern wurde verboten. Viele sanremesi waren so aufgewühlt, dass immer mehr anti-französische Reden gehalten wurden. Die sanremesi waren gewaltbereit, als der Genueser „Commissario Spinola“ sich etwas zu viel Zeit nahm, um zu überlegen und dann später zu genehmigen, dass 500 Zentner Weizen aus dem Piemont endlich zur hungernden Bevölkerung nach Sanremo kam.
Es gab 1795 eine neue Gesetzgebung, die nichts brachte, außer dass sich die Situation weiter verschärfte und die Verzweiflung der Menschen noch größer wurde. Wut und Verzweiflung verursachten blinde Zerstörung an den Fassaden der Kirchen und Adelshäuser. Die Franzosen hatten Sanremo eine Summe von 73.000 Lire zugesprochen, doch bis 1796 war noch immer kein Zahlungseingang zu verzeichnen.
Napoleon war noch an der Riviera di Ponente, als er 1796 das Piemont besiegte und sie zwang, ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen „armistizio di Cherasco“. Am 13. Juli 1796 lud die „nova municipalità di Sanremo“ die Bürger ein, aufgrund der neuen Verfassung, eine große Party zu feiern. Die Stadt wurde zu diesem Zweck umbenannt „Capoluogo del Distretto delle Palme“ und im folgenden Jahr dann als „Capoluogo di provincia della Giurisdizione delle Palme“ gefeiert.

Mai 1797 hatte die Revolution auch Genua erreicht und die Ligurische Republik war geboren.

Nachdem im Jahre 1802 die Diözese Ventimiglia aufgelöst wurde, ernannte man jetzt Oneglia als „Giurisdizione degli Ulivi“ zur Hauptstadt. 1805 gehörte Ligurien dann zum Französischen Reich und Sanremo wurde Sitz einer Unterpräfektur. Als Bürgermeister und Vorsitzender des Kreistag, auch „Maire“ genannt, wurde jetzt „Marchese Tommaso Gio Batta Borea d’Olmo“. Die Ernennung wurde am 15. August 1808 feierlich in der Kapelle „Santuario della Madonna della Costa“, in Anwesenheit von Napoleon, und durch den geistlichen „Vescovo Dunia di Albenga“ zelebriert. Napoleon selbst ernannte „Maire Borea d’Olmo“ nun zum „Barone dell’Impero“.

Trotz der positiven Arbeit der französischen Administration, man hatte die Passstraße „Colle di Nava“ für den Warenverkehr ausgebaut, dann die Straße zum „Colle di Tenda“ in Auftrag gegeben und mit dem Ausbau der Küstenstraße im Jahre 1810 begonnen und bis 1827 fertiggestellt, waren es für die Bevölkerung Westliguriens Jahre der Armut. Die Bewohner des Hinterlandes hatten zusätzlich noch mit Gewalt und Hungersnot zu kämpfen. Durch diese schlimme Lebenssituation war man mit der Geduld am Ende. Es gab immer mehr Deserteure und Aufstände, die aber die Franzosen mit grausamen Strafen belegten. Umso mehr feierte man die Rückkehr von Papst Pius VII, der im Februar 1814 aus der napoleonischen Gefangenschaft entlassen wurde. Auf seiner Rückreise nach Rom machte der Papst in Sanremo halt. Er war vom 11. Februar bis zum 13. Februar 1814 hier und nächtigte im „Palazzo Borea d’Olmo“.

Am 17. April 1814 ereilte auch Sanremo die Nachricht vom „Caduta di Napoleone“. Die Menschen der umliegenden Dörfer marschierten vereint nach Sanremo, vertrieben die letzten französischen Soldaten, zerstörten alle Steuer- und Wehrpflichtdokumente, verbrannten alles, inklusive aller Verwaltungsdokumente. Die „Matuzianer“ verlangten am 1. Mai 1814 die Anerkennung der kaiserlichen Rechte, die Genua früher immer verwehrt hatte, sowie die Zugehörigkeit zur „Repubblica di Genova“. Der Wiener Kongress erklärte im Dezember 1814 die Annexion von Ligurien an das Königreich Sardinien, was aber von den sanremesi mit großer Begeisterung aufgenommen wurde, denn es bedeutete, dass Genua endlich keine Macht mehr über Sanremo hatte. Sanremo erhielt wieder den Status einer Landeshauptstadt „Capoluogo di provincia“, jedoch unter der Gerichtsbarkeit von Nizza. Diese Neuordnung begünstigte auch das zivile und wirtschaftliche Leben der Stadt, was durch eine neu besetzte Verwaltung noch bestärkt wurde. Bürgermeister „Siro Andrea Carli“ und dessen Stellvertreter „Alberto Nota“ sorgten für den Aufschwung.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Sanremo von vielen Katastrophen heimgesucht. Erdbeben, dann im Jahre 1818 eine Typhusepidemie, 1831 ein weiteres starkes Erdbeben und eine schlimme Cholera-Epidemie, die Einwohnerzahl hatte sich damals deutlich verringert.

Während des Risorgimento und der Unabhängigkeitskriege hatten sich zahlreiche sanremesi für patriotische Aktivitäten eingesetzt. Darunter waren beispielsweise auch „Avvocato Pietro Baccini“, „Dottore Giacomo Biria“, „Avvocato Bernardo Bonfante“, der auch einer der Anführer der Gruppe von Porto Maurizio war, dann noch der Anwalt „Avvocato Pietro Carbone“. Es sollten aber noch besondere Patrioten hervorgehoben werden. Es waren die Schriftsteller „Lorenzo Benoni“ und „Dottore Antonio di Giovanni Ruffini“, die mit ihren patriotischen Romanen über die Riviera die große Aufmerksamkeit und Sympathie der vielen ausländischen Lektoren auf sich zogen. Dies hatte positive Auswirkungen, sowohl auf künftige politische Ereignisse, als auch die Entwicklung der touristischen Berufung dieses Gebietes.

Unter den vielen Verfechtern des Risorgimento wird auch der sanremesi Soldat „Pietro Astraldi“ erwähnt, der „Carlo Alberto Amadeo“, dem König von Sardinien-Piemont, Herzog von Savoyen, wohl indirekt das Leben rettete. Eine der Hauptfiguren des Risorgimento war „Garibaldi“. Unter dem Kommando des sanremeser Kapitäns „Angelo Pesante“, der das Segelschiff „La Costanza“ steuerte, verbrachte Garibaldi einen Teil seiner Jugend. Am 26. September 1848 besuchte Garibaldi seinen „Capitano matuziana“ und nächtigte bei ihm. Von hier aus richtete er auch das Wort an die Bewohner Sanremos und forderte sie auf, sich den Patrioten anzuschließen.

Im Jahre 1860, als Nizza an Frankreich übergeben wurde, gehörte Sanremo ab März 1860 zur neuen Provinz Porto Maurizio.

Sanremo erfuhr mit den Jahren steigenden Wohlstand und schnellen Wachstum der Stadt. Ausschlaggebend hierfür waren sicher auch der Ausbau der Küstenstraße, dann noch die Eisenbahn Linie von Genua nach Ventimiglia, die 1872 eingeweiht wurde und die damit verbundene Entwicklung des Reise- und Tourismusverkehr, aber auch die kontinuierliche Erweiterung der Blumen- und Pflanzenzucht.

Ein schlimmes Ereignis brachte jedoch den ansteigenden Fortschritt ins Wanken. Am 23. Februar 1887 wurde das Gebiet von einem der schlimmsten Erdbeben heimgesucht. Sanremo war zu diesem Zeitpunkt bereits eine touristische Stadt und das Hinterland wegen dem Wintersport hoch frequentiert. Die Stadt wurde, gerade im historischen Zentrum, schwer beschädigt. Häuser, in der Nähe der „Chiesa di San Constanzo“, zwei Glockentürme sowie die Kuppel der „Chiesa Madonna della Costa“ stürzten ein. Fast 100 Häuser im oberen Stadtteil sowie mehrere Gebäude der „Pigna“ wurden als unbewohnbar erklärt und mussten abgerissen werden. Das Erdbeben hatte auch eine Riesenwelle, heute würde man Tsunami sagen, ausgelöst. Die Behausungen am „Pian di Nave“ hielten trotzig stand, die Bevölkerung war in Angst und Schrecken. Sie hatten eine solche gewaltige Welle noch nie gesehen. Neben dem materiellen Schaden, die Stadt verzeichnete einen Gesamtschaden von etwa 2 Millionen Lire, war der wirtschaftliche Schaden umso größer. Die bereits installierten Hotels und Villen waren auch stark beschädigt, die anwesenden Touristen und Gäste verließen fluchtartig die Stadt. Angeblich wurden keine Opfer beklagt. Man nahm den Bereich der zerstörten Häuser als Beispiel, dass man jetzt eben mehr Licht und Luft zwischen den Häuserreihen hatte. „Pigna“ wäre ja vorher viel zu düster gewesen, jetzt wäre mehr Lebensqualität darin zu sehen. Und man war sich sicher, dass, wegen des berühmten Klimas die ausländischen Touristen bald wieder kommen würden.

Unter dem Vorsitz von „Giuseppe Biancheri“ sammelte die „Società di Beneficenza di Sanremo“ riesige Mittel, aber auch Helfer, die den betroffenen Menschen in der gesamten Provinz Porto Maurizio zur Seite standen. Leider wurden auch einige der bedeutenden historischen Gebäude, die am Anfang der „La Pigna“ standen abgerissen, da die Grundmauern zu instabil waren.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts verbreitete sich auch in Sanremo die Sozialistische Ideologie, die stark vertreten war durch den Bankier „Augusto Mombello“ und dem Strafverteidiger „Avvocato Orazio Raimondo“, der auch einige Jahre das Amt als Bürgermeister innehatte. Sanremo wurde im Bereich Tourismus inzwischen in die erste Kategorie der Infrastruktur dotiert. Mitverantwortlich für diese Entwicklung war auch das, im Jahre 1905 eröffnete „Casinò“. Die europäischen Aristokraten verbrachten gerne die Winterzeit hier im milden Klima. Adelige errichteten ihre Sommerresidenzen und Villen. Die Zarin „Maria Aleksandrovna di Russa“ entdeckte Sanremo 1874, viele Großherzöge aus Russland folgten. Viele Schöne und Reiche hatten Sanremo als Urlaubsort entdeckt.
Kronprinz „Federico Guglielmo di Germania“, wir reden von „Wilhelm II“ mit vollem Namen „Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen“ lebte hier von 1887 bis zum Tode seines Vaters „Kaiser Friedrich III“ im Juni 1888 in der Villa „Zirio“. Dann musste er zurück nach Deutschland, um als 29jähriger das Amt des letzten Deutschen Kaisers anzutreten.

Umliegende Hügel wurden zu Parkanlagen, die wiederum erhielten, inmitten der exotischen Pflanzen und Brunnenanlagen, noch pracht- und prunkvolle Villen. Man hatte das Gebiet vom Meer bis oben auf die Hügel mit Luxus ausgestattet, was noch mehr dazu beitrug, hier zu residieren. Der Ruf der Stadt war tadellos.

Dann begann der Erste Weltkrieg. Sanremo beklagte 308 Menschenleben, Hotels wurden beschlagnahmt und in Krankenhäuser umfunktioniert, der Tourismus blieb, bis auf wenige Ausnahmen aus. Die Zukunft Sanremos war gefährdet. Zum Ende des Krieges stand diese Stadt aber schon wieder im Mittelpunkt. 

Hier fand die Friedenskonferenz statt, die vom 19. bis 26. April 1920 im repräsentativen „Castello Devachan“ ausgerichtet wurde. Delegationen aus Großbritannien, Amerika, Frankreich, Japan, Belgien, Jugoslawien und Italien trafen sich hier. Die gesamten Hintergründe dieser Verhandlung sind sehr umfangreich. Die Gelehrten sind sich aber einig, dass man diese Konferenz als eine der Ursachen des „Nahostkonflikts“ ansehen kann.

Ein Dokument von 500 Worten Länge „San Remo Resolution“, das die zukünftige politische Landschaft des Nahen Ostens aus dem, nicht mehr bestehenden Osmanischen Reich, absteckte.

Die „Friedenskonferenz von Sanremo“ ist in den Geschichtsbüchern fixiert. Es war das Ende des Ersten Weltkrieges. Beginnend mit dem Niedergang des Osmanischen Reiches, früher auch Ottomansisches Reich genannt, verbarg sich im Gebiet Palästina ein großes Konfliktpotential. Drei Weltreligionen prallten aufeinander: Islam, Judentum und Christentum. Es betraf die heutigen Staaten: Israel und Jordanien, einschließlich Gazastreifen und Westjordanland.

Am 25. April 1920 erhielt Großbritannien das Palästina-Mandat. Die Briten sollten die „Balfour-Deklaration“ verwirklichen, wie es der Bevölkerung bereits am 2. November 1917, durch die „Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ versprochen wurde, wobei damals die Grenzen noch nicht bestimmt waren. Großbritannien wurde dazu aufgefordert, jüdische Einwanderung zu ermöglichen, diese im Verbund anzusiedeln und hierfür auch das ehemalige osmanische Staatsgebiet zu verwenden. Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, bürgerliche und religiöse Rechte, auch der nichtjüdischen Gemeinschaften zu berücksichtigen sowie die politische Stellung. Dies alles sollte der jüdischen Bevölkerung zugesichert werden, jedoch vergaß man hier, auch die Rechte beziehungsweise die Schutzbestimmungen für die bereits ansässigen Araber zu erstellen oder zu fixieren. Die Folge war, gleich zu Anfang kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen gegen jüdische Einwanderer in Palästina, die aber von britischen Truppen blutig niedergeschlagen wurden. Die Unruhen hielten aber weiter an. Im Juni 1922 teilte die britische Regierung, infolge einer Empfehlung des britischen Kolonialministers „Winston Churchill“, das Mandatsgebiet in „Palestina West“, „Cisjordanien“ genannt und jüdische Heimstätte, und in „Palestina Ost“, „Transjordanien“ genannt. Jedoch wurden die Wünsche der Bevölkerung hierbei nicht berücksichtigt. Man hat hier in Sanremo im Jahre 1920 dem jüdischen Volk den rechtlichen Titel garantiert und nie widerrufen, so dass die Diskussionen und Aufstände bezüglich „Westbank“ oder „illegale Siedlungen“ nach wie vor bestehen.

Diese „Geschichte“ ist nach wie vor Gegenwart und bildet noch heute einen Teil unserer Zukunft!

Doch wieder zurück zu Sanremo der Nachkriegszeit und der Wiederbelebung des internationalen Tourismus. Dank der Zielstrebigkeit der, in den 20er bis 30er Jahren, amtierenden Bürgermeister von Sanremo „Carlo Bensa“ (1922 – 1923), „Pietro Agosti“ (1927 – 1930) und „Giovanni Guidi“ (1933 – 1939) wurde die Stadt sowohl wirtschaftlich als auch touristisch wiederbelebt.

Die wichtigsten Werke, die während der Zeit des Faschismus umgesetzt wurden, war der Bau einer Seilbahn „Sanremo – Monte Bignone“, der am 26. Juni 1933 beschlossen wurde. Die Seilbahn sollte in drei Abschnitte unterteilt werden: Von Sanremo bis zum Golfplatz, von dort dann bis zum „San Romolo“ und dann weiter zum „Monte Bignone“. Das Unternehmen „Compagnia Italiana Funivie di Bologna“ Übernahme den Bau, gemäß den bereits vorliegenden Plänen. Sanremo wäre für die Instanthaltung, Pflege, Gebäudesanierung etc. dann für die nächsten 25 Jahre in voller Verantwortung.
Am 28. Oktober 1936 erfolgte dann die feierliche Eröffnung der Seilbahn „La funivia Sanremo – Monte Bignone“ durch den italienischen Unterstaatssekretär „Giovanni Host Venturi“ besser bekannt als „Nino Venturi“. Die Seilbahn wurde, mit regelmäßiger Verbindung dann am 1. Juli 1937 in Betrieb genommen. Sanremo hatte somit eine weitere Attraktion und stand in hoher Konkurrenz zu den französischen Küstenstädten.

Der 2. Weltkrieg war ausgebrochen und Sanremo hatte erneut mit vielen Rückschlägen zu kämpfen. Bereits drei Tage nach Kriegserklärung an Frankreich erlitt Sanremo am 13. Juni1940 seine ersten Luftangriffe. Am 25. April 1945 war die letzte dokumentierte Bombardierung, die von Meeresseite kam. Während des Krieges musste Sanremo über 70 Luft- und Marineangriffe überstehen. Am 20. Oktober 1944 folgte das tödlichste Marine-Bombardement auf die Stadt. Auslöser hierfür war ein Angriff zweier französischer und deutscher Schiffe auf dem Meer, die dann das Feuer auf das Land übertrugen. Die Blumenmarkthalle, wo die Deutschen zwischenzeitlich ein Depot für ihre U-Boote eingerichtet hatten, wurde bombardiert. Die Halle war voller Sprengstoff und Munition. Die Detonation des Munitionslagers ergab eine gewaltige Explosion und hatte nicht nur die Halle zerstört. Das Nebengebäude der Nonnen „Palazzo delle monache salesiane“, das Gerichtsgebäude „Palazzo di tribunale“ sowie alle umliegenden Gebäude, in einem Radius von etwa 100 Metern, wurden dem Erdboden gleich gemacht, viele Menschen starben oder waren jetzt obdachlos. Bis zum Kriegsende folgte noch eine Reihe von Bombenanschlägen. Man verzeichnete schwere Schäden an historischen Gebäuden, Villen und den einfachen Häusern.

Unmittelbar nach Kriegsende wurde die Blumenzucht reaktiviert. Man baute ein Gewächshaus nach dem anderen, die Landschaft wurde förmlich damit zugepflastert und die zuvor landwirtschaftlich genutzten Hügel von Sanremo damit zugebaut. Aber auch der chaotische Häuserbau an den Mündungen der Flusstäler sowie an den Hängen der umliegenden Hügel haben das, einst malerisch wirkende Landschaftsbild nachhaltig verändert.

Zudem erfuhr die Stadt Anfang der 50er Jahre starke Zuwanderung süditalienischer Bevölkerung, die hier in der Blumenindustrie Arbeit finden wollten. Mit dem Wiederaufbau und dem Bauboom in den 50er und 60er Jahren kam auch langsam wieder der Tourismus nach Sanremo. Der alte Hafen wurde wieder instandgesetzt und ein moderner Jachthafen installiert, so dass bis zu 40 Meter lange Jachten anlegen können.

Die alte Bahnstrecke, die direkt an der Küste entlang läuft, wurde mit Hilfe von vielen Tunnel und Brücken, ins Hinterland verlegt. Die stillgelegte Strecke ist heute aufwändig umgebaut worden und wird als Fuß- und Radweg genutzt. Die ausgebaute Strecke verläuft von „San Lorenzo al Mare“ bis hinter „Ospedaletti“, wobei man jetzt den Abschnitt ab Imperia noch mit anschließen will. Geplant ist, dass man mindestens ab Imperia dann bis zur Staatsgrenze nach Frankreich diesen Radweg nutzen kann. An der Strecke gibt es auch einige Fahrradverleih-Stationen, so dass man auch spontan diese sportliche Tätigkeit ausüben kann. Auf der Strecke gibt es viele Bars, kleine Ristorante aber auch Boggia-Bahn, Spielplätze und immer wieder Holzbänke, um sich auszuruhen, den Blick in die Ferne zu schweifen und einfach die Seele baumeln zu lassen.

Sanremo… eine Stadt mit viel Geschichte! Doch wenn man in das „alte Italien“ eintauchen will, sollte man sich in die ursprüngliche Stadt begeben: „La Pigna“.



 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü